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Les derniers jours à Berlin

Salut, 

 

Nach vier sehr interessanten und intensiven, aber auch anstrengenden Tagen melde ich mich hier wieder, denn die Ausreise nach Frankreich ist jetzt endlich in Sicht. Noch wenige Tage, dann geht’s los… 

 

Nach meinem Blog Post über den Entsendegottesdienst von ASF am Sonntag ging es diese Woche mit vielen Workshops los. Am Montag wurden wir über unsere Versicherungen im Ausland aufgeklärt und durften uns dann einen Workshop für den Nachmittag aussuchen. Ich habe mir zum Beispiel den Workshop „Entspannung und Achtsamkeit“ ausgewählt, weil es tagsüber sehr viel Input gibt und es dann auch gut tut, mal kurz runterzukommen und nur auf sich in diesem Moment zu achten. Wir haben dann im Rahmen dieses Workshops einen stillen Spaziergang gemacht, der uns zu einem See und der Binnendüne geführt hat. 

 

 

Der See in Storkow


Die Binnendüne


Am Dienstag gab es dann ebenfalls die Möglichkeit sich Workshops auszusuchen, einen für vormittags und einen für nachmittags. Ich habe z.B. nachmittags den Workshop „Übersetzen“ besucht und habe dabei dann mal realisiert, wieviel Arbeit man in das Übersetzen von z.B. literarischen oder historischen Texten reinstecken muss. Außerdem durften wir am Dienstag noch eine sehr interessante Doku über die Verfolgung und Diskriminierung der Sinti und Roma schauen. Kann ich nur weiterempfehlen, sie heißt „Der lange Weg der Sinti und Roma“ vom Filmemacher Adrian Oeser und kann in der ard-Mediathek angeschaut werden. 

Damit kommen wir dann schon zum gestrigen Tag, dem Mittwoch. 

 

Diesen Blog Post habe ich zum Teil im Bus auf dem Weg zurück zu unserer Unterkunft nach einem sehr interessanten Tag über die jüdische Geschichte während des Nationalsozialismus und nach 1945 geschrieben. Denn auch am Mittwoch gab es die Möglichkeit sich in verschiedene Workshops einzutragen und damit seinen Interessen nachzugehen. Ich habe mich für den Archiv-Workshop mit einer Führung durch das jüdische Museum eingetragen und dieser Tag in Berlin war für mich bisher eins meiner Highlights. 

 





Im Archiv-Workshop in der W. Michael Blumenthal Akademie gegenüber vom jüdischen Museum Berlin durften wir uns die Biographien drei verschiedener Menschen in drei Kleingruppen anschauen bzw. ihre Lebensgeschichten dank Quellen im historischen Kontext rekonstruieren. 

Ich durfte mit meiner Kleingruppe und einer Archivarin gemeinsam das Leben von Kurt Polley anhand ausgewählter Dokumente erschließen. Im Folgenden habe ich versucht sein Leben in Worte zu fassen, ich bin mir allerdings bewusst, dass diese Zeilen nicht seinem Leben und seinen Erfahrungen als Jude während der NS-Zeit gerecht werden. Ich war mir auch sehr unsicher über ihn zu schreiben, da die Verbrechen der Nazis nicht in Worte gefasst werden können. Allerdings finde ich es sehr wichtig, an die Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken, deshalb werde ich trotz meiner Unsicherheiten über Kurt Polleys Leben schreiben. Kurt Polley wurde in Ostpreußen geboren und musste in jungen Jahren in den ersten Weltkrieg ziehen. Dafür erhielt er viele Ehrungen, wie z.B. das Eiserne Kreuz. Doch durch die sich immer zu verschärfenden Gesetze gegen die jüdische Bevölkerung wurde ihm gekündigt und er musste folglich seine erfolgreiche Karriere als Leiter einer Abteilung in einem Kaufhaus aufgeben. Er war dann einige Zeit gezwungenermaßen arbeitslos bis er zur Zwangsarbeit verpflichtet wurde und versuchte deshalb seit 1938 auszuwandern. Zu diesem Zeitpunkt war es allerdings schon sehr schwer das Land zu verlassen und in ein anderes Land aufgenommen zu werden, weshalb es ihm nicht gelang. Während des Workshops waren wir alle sehr in seine Lebensgeschichte anhand von Dokumenten, wie z.B. Briefe an diverse Ämter, eingebunden und aufgrund seinen vielen Versuchen zu emigrieren, war es dann ein sehr tragisches Ende seinen Namen bei den Ermordeten in Auschwitz zu sehen. Deshalb ist sehr wichtig, an das Leben der ermordeten Jüdinnen und Juden zu erinnern, um sich klar zu machen, dass jeder von ihnen eine eigene, persönliche Geschichte trägt, die es wert ist, sich daran zu erinnern.

 

Erstaunend fand ich auch, wie wenig man die systematische und industrielle Ermordung von Jüdinnen und Juden in der Schule thematisiert. Man lernt nur verallgemeinert über die Shoah, aber vieles, was ich im jüdischen Museum dann sehen durfte, war im Unterricht nur kurz angeschnitten, obwohl es doch so ein wichtiges Kapitel der Geschichte ist und die Erinnerung daran und die heutigen Auswirkungen extrem wichtig sind. Deshalb lege ich euch den Besuch des jüdischen Museums sehr ans Herzen, weil es sehr interessant war. Durch das jüdische Museum wurden wir dann nachmittags durchgeführt und durften viel Neues lernen und sehr bewegende Ausstellungsstücke sehen. Ich hätte noch viel mehr Zeit in den Ausstellungsräumen verbringen können, aber die Zeit hat uns leider nicht gereicht. Wenn ich irgendwann mal wieder in Berlin bin, möchte ich aber auch auf jeden Fall nochmal dorthin. 


Die letzten Tage in Berlin/Brandenburg waren auch von vielen Diskussionen über Erinnerungskultur, Gott, Religionen und Politik geprägt, aber der Austausch unter vielen verschiedenen Menschen ist ja das, was uns am Ende auch sehr bereichert. 

 

Einen schönen Tag euch noch! 

Das nächste Mal melde ich mich dann aus Paris :)

 

P.S.: Einen Instagram Account für mein Auslandsjahr habe ich jetzt auch, dort heiße ich mattheavaenfrance, also folgt mir gerne, falls ihr es noch nicht tut! 

 

A bientôt ! 

Matthea 

 

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